Fünfte Woche, 08.02/ erster Beitrag

Hallo ihr Lieben,

vom Hope Center gibt es leider nicht so viel zu erzählen. Die Toiletten sind jetzt fertig, aber die Bäder noch nicht. Am Dach umd am Beachvolleyballfeld wurde seit Mittwoch leider nicht weitergearbeitet, weil John, der Bauarbeiter einen Unfall mit seinem Motorrad hatte. Soviel ich weis, geht es ihm wieder gut… Abel hat seine Kohle gemacht und wir nutzen sie jetzt für uns zum kochen.

DSC_4838 DSC_4839
Donnerstag und Freitag habe ich P2 und P3 alleine unterrichtet, was sehr anstregend ist, mir aber immer mehr Spaß macht. Es sind jetzt ca. 13 Schüler, aber leider auf unterschiedlichem Bildungs-Level, was den Unterricht für mich nicht leicht macht. Ich habe keine Zeit, den Unterricht irgendwie abwechslungsreich zu gestalten weil ich zwei Klassen gleichzeitig unterrichten muss. Wenn die einen mit ihren Aufgaben fertig sind, brüllen sie ‚finishtiii‘, ich brüll dann zurück ’not finishtiii, finished‘ , korrigiere sie und gebe neue Aufgaben und wende mich den anderen zu. Naja Donnerstag hatte ich ein kleines Erfolgserlebnis. P2 sollte die Zahlen von 1-100 aufschreiben, P3 von 1-200. Von 1-100 ging noch. Dann haben die Schüler von P3 aber nach 109- 200 geschrieben. Es hat gedauert, bis sie verstanden haben, dass zw. 100 und 200 auch wieder 100 Zahlen sind. Dann kam die andere Lehrerin, Esther, wollte mir helfen und setze sich zu den Schülern und erklärte denen erstmal, dass sie falsch seien und nach 129 nicht 130 kommt, was ich gerade so schön erklärt hatte, sondern 300 und nach 139 400 statt 140.. 😀 oh man. Ich habe ihr gesagt, dass sie falsch liegt und wir lachten, aber es war ihr peinlich… Jedenfalls konnte ich mir zwischendurch ein wenig Zeit für eine Schülerin nehmen, die die Reihenfolge der Zahlen noch nicht verstanden hatte. Immer wenn sie was richtig hatte, kam sie zu mir und strahlte, wenn ich ein Häkchen machte. Das hat mir Freude bereitet.

DSC_4813DSC_4814
In der Mittagspause habe ich mich zu Abel, Scovia, Ben und Rick (bauen die Toiletten/Bäder) gesetzt. Meistens stocher ich dann mit nem Stöckchen in der Erde rum und träum weg, weil ich nichts von ihrer Unterhaltung verstehe. Manchmal übersetzt Scovia mir dann ihre Unterhaltung. Diesmal z.B meinte Ben, dass Scovia in Deutschland erfrieren würde, weil es so kalt ist und sie es nicht gewöhnt ist. Scovia meinte er sei bescheuert und fragte mich, ob das stimmt. Scovia möchte unbedingt mal nach Deutschland und frieren. Sie sehnt sich so danach mal zu frieren. Abel meinte sogar, er würde eine HIV infizierte Deutsche heiraten um nach Deutschland zu kommen 😀
Nachmittags bin ich dann zur „New Home Secondary School“ gelaufen (so um die 15 Minuten vom Hope Center entfernt), um mit den Schülern einen Plan zu machen, wann ich nächste Woche was unterrichten soll. Auf dem Weg dorthin traf ich auf den Chairman von dem Dorf „Kasala“. Isaac hatte uns schon einmal vorgestellt, aber ich erkannte ihn nicht und fragte mich, warum er mit mir läuft und mich belabert. Irgendwann kam ich dann drauf. Er begleitete mich ein Stück, zeigte mir sein Haus und fragte dann ob ich einen Boyfriend habe. Ich meinte ja, habe ich, er wartet sehnsüchtig auf mich in Deutschland (Till.. ??) Mister Chairman allen ernstes:“You don’t want to have a second Boyfriend in Ugnda?“ Ich (gedanklich): “ Hallo du alter Sack? Gehts noch, du hast vllt ein Haus und bist Mr. Chairman, d.h aber noch lange nicht dass ich deine Freundin werden will“. Das habe ich natürlich nicht laut gesagt 😛 ich habe nur gelacht, er auch und bin weitergelaufen. Als ich an der Schule ankam, sollte ich direkt eine Deutschstunde geben. Ich war nicht vorbereitet, gab dann aber eine Stunde. Es waren ca. 24 Schüler im Alter von 14-20 Jahren. Ich fing mit den ersten Konversationen an, wie: Hallo, guten Abend/Morgen, wie gehts, ich heiße, ich wohne etc. Der Rest der Stunde ergab sich dann von allein. Sie wollten alle möglichen Wörter übersetzt haben. Sie waren total wissbegierig und sprachen alles nach und lachten. Dann sollte ich „to pray“ übersetzen und für sie beten. So jetzt stand ich da, ich als Atheist unter streng gläubigen Christen und sollte für sie ein deutsches Gebet beten…Ich:“I don’t pray, I don’t believe in God“. Sie, völlig geschock:“ Whyyy?“ Dann wurde groß diskutiert. Nach einer gefühlten Ewigkeit konnte ich das Thema wechseln. Insgesamt war ich aber ganz erleichtert und zufrieden nach der Stunde. Ich hatte schon ein bisschen Schiss, Leute in meinem Alter zu unterrichten, dann auch noch unvorbreitet und vor so vielen. Ich rede nicht gerne vor vielen Leuten ;)) Aber die Schüler sind aufmerksam und keck, und dann machts Spaß und ich bin sicher, dass ich das ein oder andere beibringen kann und vielleicht können am Ende ein paar Schüler hier an so einem deutsch Wettbewerb mitmachen.
Freitag, gegen Spätnachmittag habe ich Sportunterricht gegeben. Bin auch nicht soo die Sportskanone, hatte also so meine Bedenken. Ich überlegte mir 2-3 einfache Aufwärm- und Stretchübungen, zwei Ballspiele (Zuckball und 10er Ball) und danach für den Anfang Ball über die Schnur. Bin schon an den Stretchübungen gescheitert, weil die Mädels enge, knielange Röcke tragen.. war aber lustig. Ballspiele kamen auch gut an. Die hatten großen Spaß.

DSC_4818 DSC_4825
Auf dem Rückweg zum Hope Center hat mich ein Schüler begleitet (Name wieder vergessen). Er hat mit ein paar Wörtern die wir gestern im Deutschunterricht durchgenommen habe, ein Lied geschrieben. Er sang es mir mit eher kläglicher Stimme vor, ich musste sehr grinsen. Aber ich habe mich gefreut, dass er das deutsch lernen so ernst nimmt und am selben Abend noch ein Lied schreibt. Es geht wie folgend:“I say ‚Hello, you say ‚Hallo'“. Das ist der Refrain. Den Rest könnt ihr auf dem Foto lesen…

DSC_4835
Am Hope Center angekommen, 18:00, ich total müde, war Abel mit seiner Arbeit noch nicht fertig. Eine Stunde später liefen wir los. Auf dem Weg fuhr eine dicke Weiße auf einem Boda Boda an uns vorbei. Abel machte wieder ein Witz und meinte: „hahaha Charlotte, your mother“. Ich habe auch nich schlecht geguckt, habe ewig keine weiße Person gesehen. Ich glotz die mittlerweile an, wie mich manche Ugandaner.
Den ganzen Samstag morgen war mein kleiner Spatz wieder da. War total schön, er fühlte sich pudelwohl auf meinem Schoß und quackte durchgehend irgendwas.

DSC_4841
Nachmittags sind Scovia und ich zu einem Pool von einem Resort gegangen. Es ist eine riesen Gelände, mit Schule, Hotel, Häusern zum Mieten, Cafe/Restaurant und eben mit diesem Pool. Scovia sagte, dass sie sich sowas mal für’s Hope Center wünscht. Viele Weiße sind natürlich hier und davon viele Deutsche. Eine ganz andere Welt. Ich bringe Scovia hier jetzt das Schwimmen bei. Bevor wir uns auf den Rückweg machen, habe ich einen Cappuccino getrunken.. endlich, ich habe schon soo gesuchtet!! Wir wollen hier jetzt öfter her, ich zum sonnen, damit mich alle beneiden wenn ich nach Hause komme.. hihih ;-D und zum Bericht schreiben, Scovia zum schwimmen lernen.

DSC_4872 DSC_4869

Gestern Nacht waren Scovia, Abel und ich feiern. Es war sau gut, die ganze Nacht durchgetanzt. Paar Typen waren anstregend, aber dann wurden diese von anderen netten Typen weggeschickt. Einmal kam es fast zum fight. War schon lustig, einzige Weiße zu sein. Abel machte einmal ein Foto von mir und meinem Beschützer und dann wurde er von der Security in einen Raum gezerrt. Alle anderen, inklusive mir, liefen nach und es gab eine große Diskusion. Kameras sind wohl nicht erlaubt. Ich dachte schon, Abel wird in dem dunklen Raum vermöbelt, aber zum Glück, hat sich dann alles geklärt und die Security nahm unsere Entschuldigung an, dass wir nichts von einem Kamerverbot wussten. Wir gingen wieder auf die Tanzfläche und ich kaufte neue Getränke 😛

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Fast Zuhause angekommen, steige ich schön dumm vom Boda Boda ab und verbrenn mir mein Bein am Auspuff. Jeder der mich kennt, muss jetzt wahrscheinlich grinsen, weil es dieses Jahr bestimmt nicht meine erste Verbrennung ist. Angetrunken nahm ich es locker hin, jetzt tuts sau weh und sieht absolut hässlich aus 😀

Schöne Woche euch,
eure Charlotte

Werbeanzeigen

Vierte Woche 03.02, zweiter Beitrag,

Montag um 8:00 Uhr war ich an der New Hope Junior School Kasala. Moreen, eine Lehrerin der Schule und Hauptverantwortliche, kannte ich schon. Sie ist eine sehr nette aufgeweckte Frau. Sie und ein paar Kinder empfingen mich herzlich. Dann gingen wir ins ‚Office‘ und unterhielten uns kurz. Zwei andere Lehrerinnen kamen noch dazu, eine für die 3-4 Jährigen und eine für P2 und P3. Kurz darauf wurden mir Aufgabenblätter gegeben und ich sollte P1 und P2 in Mathematik unterrichten. Das fand ich erstmal nicht so toll.

Die erste Aufgabe war: What are the missing numbers? 800, 801___ 803 etc. Ich habe es an die Tafel geschrieben und in die Runde gefragt. Keiner hatte die geringste Ahnung. Ich versuchte es mit niedrigeren Zahlen um dann zurück auf die 800 zu kommen. Keine Chance, die hatten überhaupt kein Gefühl für große Zahlen. Nur solange sie diese, an ihren Fingern abzählen konnten.
Die Zweite Aufgabe war auch zu schwer: 45-3____ Sie verstanden nicht, was Minus bedeutet und erst recht nicht, wenn wir so eine große Zahl wie 45 haben. Ich versuchte es mit kleineren Zahlen und erstmal Additionen um den Unterschied zu demonstrieren: „You have ten chicken and you go to the market and you sell 5. How many chicken do you have now?“ usw. Ein Mädchen hat es verstanden, sie war aber schon in P2. Ihr habe ich dann andere Aufgaben gegeben. Mit den anderen rechnete ich dann erstmal Additionen! Dann hatten wir Pause und spielten Plumssack. Ich sang auf deutsch, auf englisch fließt der Rhyme nicht so gut. Später malten wir.
Aber das war der erste Tag und es waren auch nur vier Schüler da. Das ist hier immer so. Viele haben ihre Bücher noch nicht besorgen können, weil sie kein Geld haben und dann kommen sie nicht zur Schule.

DSC_4754 DSC_4756 DSC_4800

Abends war ich noch mit Abel und drei anderen Jungs, die uns spontan begleitet haben, spazieren. Wir liefen wieder zum Aussichtspunkt. Abel freute sich und meinte ‚good to be here‘. Er war noch nie dort gewesen und staunte nicht schlecht, wie weit man schauen kann.

DSC_4762 DSC_4764 DSC_4765DSC_4775

Gestern waren es dann schon deutlich mehr. Morgens hat Frau Moreen mit allen Kindern gesungen und Bewegungen gemacht. Dann sind sie in die Klassen. Ich habe den ganzen Tag mit einer anderen Lehrerin zusammen unterrichtet und das war sehr langweilig. Sie Unterrichten nur aus Büchern, schreiben es an die Tafel, lesen es vor und die Kinder brüllen es tausendmal nach und schreiben es danach ab. Das ging den ganzen Vormittag so. Irgendwann konnte ich mich nicht mehr konzentrieren, total stupide. Bin ja echte Klasse gewöhnt mit der Waldorfschule. Um 13:00 Uhr ist Mittagspause und es gibt immer Posho mit Bohnen. Die Schule hat kein Geld, abwechslungsreich zu kochen. Bohnen und Posho sind billig. Morgens gibt es Porridge, den ich versuche zu meiden. Schule geht von 8:00 bis 16:00.

Heute waren noch mehr Kinder da. Als ich mit dem Boda Boda ankam, kamen alle Kinder angerannt und stritten sich um meine Hand. Wer zu spät war und ich schon 4 Hände in jeweils einer Handy hatte, zerrte eben an meinem Arm. Es kamen auch zwei Jungs, die ich noch nicht kannte, aber sie umarmten mich einfach. Ich habe mich erst sehr gefreut, aber nach einer Weile wurde das Zerren an meinen Armen doller und die Kinder stritten sich regelrecht. Ich bin dann ins Office geflohen und habe Moreen begrüßt.
Ich habe heute P2 und P3 in Englisch unterrichtet. War sehr anstregend, weil ich Aufgaben bekommen habe, die wir abgearbeitet haben. Zwischendurch haben wir dann „Brother Jacob“ gesungen, weil ich gemerkt habe, das die Konzentration nicht mehr da ist.Was besseres ist mir nicht eingefallen. Ich muss mir noch was einfallen lassen, damit ich den Unterricht abwechslungsreicher gestalten kann.
Nachmittags bin ich dann zum Hope Center zu Scovia und Abel. Abel hat heute schwere Arbeit geleistet. Die Baumstümpfe, die wir raus genommen haben um eine freie Fläche für das Beachvolleyballfeld zu haben, werden jetzt von Abel und Scovia zu Kohle verarbeitet.
Die Toiletten, bzw. deren Bäder und Mauern, kommen langsam voran. Aber die Jungs arbeiten freiwillig und bekommen nur den Transfer bezahlt. Von daher sind wir dankbar, dass sie überhaupt den ganzen Tag für uns da sind. Dächer sehen schon nach was aus, konnten heute aber nicht fortgesetzt werden, weil Material gefehlt hat. Ist aber morgen da.

DSC_4805DSC_4806DSC_4808

Spät Nachmittags kam Isaac und wir fuhren zur Highschool hier in der Gegend. Dort soll ich jetzt Deutsch und Sport unterrichten. Morgen nach der Junior School, soll ich vorbeikommen. Bin ein bisschen aufgeregt mit Jugendlichen zu arbeiten, ich hoffe ich kann ihnen was beibringen. Die Ansprüche sind jetzt höher, aber dafür werde ich verstanden.

Ich habe heute morgen übrigens wieder ein Jigali in meinem großen Zeh gefunden! So ecklig, Scovia und ich haben eben ein Insektenkiller gekauft und mein Zimmer und Badezimmer so damit zugesprayed, dass ich da erstmal nicht rein sollte..
Uuund ich habe die Malaria Tabletten abgesetzt, weil deren Nebenwirkungen mich seit ich sie nehme physisch und psychisch fertig machen. Isaac und Scovia haben mir schon von Anfang an davon abgeraten. Niemand nimmt die hier. Wenn man Malaria bekommen sollte, nimmt man die Malaria Akut Pillen; ist wenn man Glück hat, ist man paar Tage krank, wenn man Pech hat, zwei Wochen oder mehr. Ich hoffe mal das Beste und werde garnicht krank!

Alle Liebe aus Uganda,

eure Charlotte

Vierte Woche 01.02, erster Beitrag aus Uganda

Hallo hallo, mein letzter Bericht hat sich so verspätet, weil ich seit Mittwoch krank bin. Kamen Mittwoch Abend ja spät von Kampala zurück und ich muss mir irgendwie im Auto einen Sonnenstich geholt haben.. Donnerstag ging es dann wieder und wir waren beim Hope Center arbeiten. Abends hatte ich dann wieder Fieber…seit Samstag geht es mir wieder besser. Habe Samstag morgen in einem meiner Zehen etwas Ekliges gefunden.. dachte erst es wäre ein Splitter, dann dann dachte ich es wär ein Stein, was schon echt merkwürdig gewesen wäre und dann holte ich etwas durchsichtiges Glibberiges heraus mit einem schwarzen Punkt in der Mitte. Ungefähr 3 mm groß. Bäh, ich ging zu Abel und zeigte ihm das Ding. Er lachte und meinte es sei Jigali oder sowas. Viecher die Eier legen.. ihhh in meinen Zeh!! Vielleicht war ich deswegen krank! Später kam Isaac vorbei und ich berichtete ihm von meinem Fund/Glück. Er lachte noch mehr und meinte, ich sei die erste Weiße, die ein Jigali hat und dass es von den Kindern kommt, die ich in meine Wohnung lasse. Na toll! Meine kleinen Freunde. Ich habe sie immer gerne bei mir, aber jetzt kann ich an nichts anderes mehr denken. Habe direkt mein Zimmer und auch das Badezimmer geputzt, weil gestern einer der älteren Jungs, James, einfach meine Toilette benutzt hat und sich dann noch eine Dusche gegönnt hat . Ich wusste nicht was ich sagen soll, war ein wenig überrumpelt und ließ ihn machen. Die haben ja noch nie zuvor eine Dusche gesehen und erst recht nicht genutzt und eine Toillette mit Spülung sowieso nicht.
Naja also von Freitag gibt es nicht viel zu berichten, weil ich krank war. Habe aber am Hope Center nichts verpasst, weil die eh keine Arbeit für mich hatten. Nur Männerarbeit wie Dachbau, Digging und Mauern.. Mir war abends dann so langweilig, dass ich zu Isaac bin und mich beklagt habe. Er meinte ich soll doch mal einen Spaziergang machen, in 15 Minuten kann man hier zu einem guten Aussichtspunkt laufen. Und das höre ich jetzt erst, nach drei Wochen?? Egal, ich war voll dabei. Ich wollte mich gerade auf dem Weg machen, als James und noch ein Junge vorbeikamen (hatte ich ganz vergessen, hatten ein „Kartenspieldate“ ausgemacht). Jetzt hatte ich zwei Begleiter, was mir nur entgegen kam. Isaac hatte mir zwar den Weg aufgezeichnet, hätte ich aber nie gefunden. Nach 15 Mintuen laufen, kamen wir an einen Steinbruch. Hier werden Steine in verschiedene Größen zerkleinert, bzw. zermalmt und größtenteils für Straßenbau verwendet. Wir gingen durch ein Tor, dann war da sowas wie ein ‚Office Büro‘ und zwei unheimliche Inder saßen davor. Ich fühlte mich total unwohl und fehl am Platz, dachte wir seien falsch. Wir fragten die Inder, ob wir über ihr Gelände zum Aussichtspunkt laufen können. Die nickten nur und starrten mich weiter an. 10 Meter weiter gelaufen, halten uns zwei Arbeiter an und sagen, dass wir erst die zwei Inder fragen müssen, ob wir hier lang dürfen. Wir: „haben wir schon“, die „oh ok, lets go“. Der eine Mann, sein Name ist Joel, bat sich dann an uns zu führen. Jetzt sah das ganze schon besser aus, wir hatten einen Guide. Er erklärte, wie und was hier gearbeitet wurde und für wen. Die eine Hälfte des Steinbruch’s ist für die Chinesen und der andere Teil für die Inder. Ob die Inder und Chinesen sich jetzt den Straßenbau unter die Arme gerissen haben oder ob die Steine nach Indien oder China transportiert werden, weis ich nicht. Die Jungs waren begeistert von den Maschinen und von meiner Nikon Kamera. Deswegen habe ich jetzt interessante Fotos vom ganzen Steinbruch. Oben am Aussichtspunkt angekommen war es sehr schön. Das Raufklettern war bisschen anstrengend für kranke Charly, aber tat gut und hat sich gelohnt. Auf dem Rückweg trafen wir auf einen netten altn Man mit Alkoholfahne, der meine Hand nicht mehr loslassen wollte. Ich ließ mir dann was einfallen, wofür ich meine rechte Hand brauchte (z.B zum Wasser trinken, Tasche halten, Fotos machen), aber er nahm sie sich immer wieder. Also es ist typisch hier, dass man sich zur Begrüßung die Hände lange hält.. aber beim laufen? Er lief links neben mir und wir hielten die rechten Hände, also irgendwie komisch. Die Frauen die uns sahen, fanden es lustig.

DSC_4626 DSC_4631 DSC_4632 DSC_4636DSC_4644 DSC_4654 DSC_4671DSC_4677

Zuhause angekommen, konnte ich Privatsphäre vergessen. Die Jungs kamen wie selbstverständlich mit zu mir. Kurz darauf hörte ich von draußen „Mzungu, Mzungu“ und die Kleinen standen vor der Tür. Ich ließ sie rein. Sie malten und spielten Ball und wir drei großen spielten „Neuner“. Später machte ich Musik an und tanzte mit den Mädels, das war sehr, sehr süß. Sie hatten total Spaß und ich auch.
Samstag Mittag fand in unserer Strasse ein Autorennen statt. Ich hörte lautes Kreischen und Rufen und brummende Motoren. Ich ging gerade raus, da kam mir James schon entgegen gerannt um mich zu holen. Die Leute standen an der Straße und bejubelten die aufgemoppten Autos mit dicken Motoren, die in regelmäßigen Abständen vorbeibrausten. Wenn man was sehen wollte, musste man schon ein wenig lebensmüde sein. James, mein Beschützer, hielt immer meine Hand und zog mich zurück wenn es brenzlig wurde. Das war’s halt auch, weil die Straße hier Schlaglöcher hat und Gräben links und rechts. Zwei Autos sind von der Straße abgekommen und in die Gräben gefahren und schleuderten dann rum. Ein Glück, das dort keine Menschen standen, sondern erst 20 Meter weiter. Aber den Leuten hier war das total egal. Die hatten ihren Spaß. Isaac sagte mir, dass dieses Cruisen von dem Mann gesponsert wird, dem unser Ort, Kubiri, gehört.

DSC_4688 DSC_4689
Abends kamen die Kinder wieder. Diesmal spielten wir im Hof und nicht in meinem Zimmer. Waren auch zu viele. Der kleine Zwei-Dreijährige wird immer frecher. Ist erstmal total süß und macht richtig Spaß, weil er total verrückt ist und wir immer tanzen. Er kann sogar ‚Mzungu, I want to dance‘ sagen.. Aber dann hat er sich in meine Brüste verguckt. Die Stillzeit ist wohl noch nicht allzulange her. Jetzt versucht er mit aller Kraft, mein Shirt runterzureißen. Das macht das Spielen nicht leicht, weil ich immer auf der Hut sein muss. James habe ich wieder meine Kamera gegeben und los ging das Fotoshooting, seht ihr ja auf den Fotos.

DSC_4691 DSC_4701 DSC_4711 DSC_4712 DSC_4715

Heute sind Abel, Alf, Chris und ich zu dem Mabira Forest gefahren, einer der größten Wälder hier in Uganda. Es gab auf dem Hinweg schon Komplikationen. Kurz: wir wurden falsch rausgelassen und mussten dann an der Hauptstraße bestimmt 4 Km zurücklaufen. Aber am Mabira Forest entlang und wir haben drei Affen gesehen Endlich beim „Center of Mabira Forest“ angekommen, war der Eintritt für Abel und und Chris zu teuer. Fuhren dann nach Jinja, weil die Jungs noch nie da waren.

Morgen fange ich an in der Schule, in Kasala Village (beim Hope Center), zu arbeiten. Ich bin mal gespannt. Isaac hat mir gesagt, dass ich mir ein Projekt aussuchen kann, was ich mit den Kindern machen möchte. Er meinte auch, dass es Ziel von Beacon of Hope ist, neben den Hauptfächern wie , Mathe, Geographie, Englisch etc. also den „Denkfächern“, Bewegung einzubringen. Also waldorfpädagogisches Denken quasi. Kommt mir sehr entgegen. Ich habe mir überlegt, Spielstunden für die Kleinen und Sportunterricht für die älteren an zu bieten, so wie wie wir sie an unseren Waldorfschulen Zuhause auch haben. Ich bin natürlich keine ausgebildete Waldorfpädagogin, aber ich habe die beste Beratung von Annette Flemming . Ob das alles klappt, schreib ich dann nächste Woche.
Alles Liebe und Sonnenwärme aus Uganda :))

Dritte Woche 29.01, zweiter Beitrag

So, das Dach der Toiletten ist seit Sonntag fertig und es wird jetzt eine Mauer drumherum gemauert und dann werden noch Duschen und Waschbecken hinzugefügt. Dann haben wir ein großes Beet frei gemacht. Erst Mais und Kartoffeln geerntet und jetzt planen wir dort ein Beachvolleyballfeld. Isaac wollte erst nur ein Netz auf der Wiese aufspannen. Jetzt habe ich vorgeschlagen, dass ein ganzes Beachvolleyballfeld auf längerer Sicht besser ist, weil die Wiesen hier werden oft stachelig und trocken und man muss sie pflegen und es macht halt viel mehr Spaß. Die Kinder werden sich riesig über den Sand freuen. Isaac nahm meinen Vorschlag sofort an und wir machten uns abends im Internet schlau, wie man ein Beachvolleyballfeld baut und auf was man achten muss. Ich möchte am liebsten bis Montag durcharbeiten und es dann fertig haben. Montag fängt nämlich die Schule an und auch wenn das Hope Center noch nicht fertig gebaut ist, haben wir das Grundstück schon aufgeräumt, von Gestrüpp und Steinen befreit, sodass es als Spielfläche genutzt werden kann und daher die Kinder von der Dorfschule vorbeikommen.

DSC_4595 DSC_4599 DSC_4601 DSC_4603

Sonntag abend habe ich hier in einer Bar um die Ecke einen Lehrer kennengelernt, der mir alle seine Nummern gegeben hat. Er unterrichtet hier an der Primary School englisch und ich soll mal vorbeikommen. Ich sollte eigentlich am nächsten morgen anrufen, aber ich kam noch nicht dazu-Africa Time !
Mittwoch sind Isaac und ich nach Kampala gefahren, um ein Volleyballnetz zu kaufen. Die Fahrten waren wieder sehr ätzend. Nur Stau und Hitze. In Kampala angekommen, verursachte Isaac erstmal einen Unfall Nichts schlimmes, er stieß einen Boda Boda Fahrer plus seiner Ladung, eine füllige Afrikanerin, um die dann gegen ein parkendes Auto kippten, Aber nur ganz sachte. Der Boda Boda Fahrer regte sich trotzdem auf, verschwand aber bevor ein Beamter kam, der das ganze gesehen hatte und Isaac kurz verhörte. Die meisten Boda Boda Fahrer haben keinen Führerschein..
Wir fanden ein akzeptables Volleyballnetz, kauften meine sündhaft teuren Malaria Pillen und machten uns auf den Heimweg. Zurück in Mukono Town gingen wir essen. Wir konnten uns zwischen Schweinefleisch, Hühnchen und Fisch entscheiden. Ich nahm Fisch. Serviert wurde der Fisch mit einer leckeren Sauce, Reis, Süßkartoffeln, Posho, Cassava, Kürbis und Matoke (Kochbanane). Ich aß fast alles auf, Isaac schwächelte total, weswegen ich mir vorkam wie ein Vielfraß. Als die Servicekraft kam und abräumte, lachte diese und meinte zu Isaac, das mir ‚traditional food‘ wohl schmeckt..
Wir fuhren dann kurz nach Hause. Isaac und John, ein Mitarbeiter des Hope Centers, schauten sich nochmal kurz an, wie man ein Beachvolleyballfeld baut und wie groß es sein muss. Am Hope Center angekommen, wurde gerade das Material für die Dächer verstaut. Seit heute morgen, werden die Dächer weitergebaut.
Wir hielten das Volleyballnetzt über die Fläche, die wir dafür bedacht haben und es passte. Wir entschieden uns aber, das Feld um ein paar Meter kleinr zu bauen (Kosten und Arbeit).
Heute waren wir wieder am Hope Center und ich habe Bausteine von A nach B gebracht und dann haben wir die restlichen Kartoffeln geerntet. Nach dem Mittagessen sind Abel und ich gegangen, weil es für uns nichts mehr zutun gab und es zu heiß war. Scovia blieb, sie wartete noch auf Material, was heute ankommen soll und sie geht immer erst, wenn die Sonne nicht mehr so heiß ist. Also gegen 16-17 Uhr (wir müssen ja immer 30 Minuten zur nächsten Stadt, Kalagi, laufen.

DSC_4613 DSC_4614

Die Nachbarskinder kommen jetzt jeden Nachmittag/Abend rein. Ein kleiner Junge immer ganz leise. Ich sehe erst nur ein schatten und höre sein leises Atmen. Er muss über die Mauer klettern, weil wenn jemand das Tor auf macht, quietscht es lauthals. Ihn höre ich nie…

Vielen Danke,
eure Charlotte

P.S: Ich konnte gestern den Bericht nicht schreiben, weil wir erst spät abends vom Hope Center zurückkamen und ich einen Sonnenstich hatte/habe.. Bräuchte mal bisschen Schnee, um mich abzukühlen.. ;))

Dritte Woche 25.01, erster Beitrag aus Uganda

Hallo ihr Lieben,
Donnerstag und Freitag haben wir wieder gearbeitet. Die Toiletten wurden gebaut, ich habe sogar bisschen gemauert, aber zum größten Teil haben wir Frauen verschiedene Gartenarbeiten erledigt. Heute soll das Dach der Toiletten gemacht werden. Bin mal gespannt wie es morgen aussieht.

DSC_4440 DSC_4444

Freitag Nachmittag hatten wir (Isaac, Scovia, Abel und ich) eine ‚Führung‘ von einer anderen Organisation namens „Suubi for Uganda“ in der Gegend hier, die gerne mit ‚Beacon of Hope‘ zusammenarbeiten möchte. Sie zeigten uns ihre laufenden Projekte und ihre Pläne für die Zukunft.
Ich werde euch jetzt nicht jedes einzelne Projekt vorstellen, aber die wichtigsten: Alten Menschen und allein erziehenden Frauen wird zu einem neuen Zuhause verholfen. Dann wurden 3000 Mangobäume finanziert, deren Früchte man in 2-3 Jahren an die großen Fabriken hier verkaufen kann, welche davon dann Säfte herstellen. Es wird also viel Geld einbringen. Zusätzlich möchte diese Organisation eigenen Honig herstellen, der dann natürlich auch für gutes Einkommen sorgen wird.

DSC_4500 DSC_4520 DSC_4521 DSC_4527

Gegen abend fuhren wir dann zu einer Schule, welche diese Organisation geplant hat. Die Straßen waren in der Gegend so richtig schlecht, ein riesen Schlagloch nach dem anderen. Uns wurde gesagt, dass eine Straße zu dieser Schule vom Staat finanziert wird und gerade fertig geworden sei. Von wegen! Sie wurde gerade gemacht…wir fuhren trotzdem weiter.. und schwupps schon war die Achse gebrochen. Dazu kam, dass wir noch dem Riesengefährt, welches gerade dabei war die Straße platt zu fahren, aus dem weg fahren mussten. Naja für die Kinder im Dorf war es eine aufregende Aktion und Isaac nahm es ziemlich gelassen, dafür, dass es noch nicht einmal sein Auto war, was er kaputt gefahren hatte. Es kam dann jemand, der sich auskannte und wir konnten erstmal weiterfahren.

DSC_4541 DSC_4539 DSC_4543 DSC_4547

Dann wurde uns die Schule gezeigt. An den Fotos könnt ihr sehen, dass sie eher schlecht als recht ist, das liegt daran, dass die Eltern sich entschieden haben, eine Schule so schnell wie möglich zu bauen, mit dem was da ist und nicht auf Spenden und Material zu warten.. Es ist ein neues ‚richtiges‘ Schulgebäude geplant und auch ein Geburtshaus, weil die Frauen bisher zusehen müssen, wie sie zum nächsten Krankenhaus kommen. Meistens dann mit dem Boda Boda, was eine Zumutung und zu teuer ist. Wenn man die Nachrichten hier verfolgt, wie ich das natürlich tue, weiß man, dass dieses Thema gerade stark diskutiert wird. Für die Frauen aus den Dörfern ist das Boda B. die einzige Möglichkeit zum Krankenhaus zu kommen. Es ist aber sehr gefährlich und zu teuer. Da das Krankenhaus auch nochmal 10.000 UGX nimmt (2,98 Euro) und 1 Km mit dem Boda ca. 1.000 kostet. Das rechnet sich hoch, vorallem wenn man eigentlich 0,0 UGX zur Verfügung hat. Aber manche Menschen scheinen das noch nicht begriffen zu haben und kommen den Frauen nicht entgegen! So jedenfalls finde ich, hat die Organisation eine Vision mit Zukunft. Wir sind dann noch zu dem Brunnen gelaufen, der für das Dorf gebaut wurde. Dort waren lauter Kinder mit Kanistern. Wasser holen ist Kinder- und Frauensache. Auf dem Rückweg habe ich mich gewundert, warum wir Erwachsenen nicht einfach ein paar Kanister den Kindern abnehmen. Ich habe dann von zwei Mädchen die Kanister getragen, einen kleinen, vllt 2-3 L und einen 5-7 L. Für mich war das Ok (gerade so uff), aber für so kleine Zwerge und dann tragen die einen 5-10 L Kanister (je nach Alter) auf dem Kopf, uiuiui.

DSC_4557 DSC_4558 DSC_4566 DSC_4573 DSC_4579 DSC_4583

Samstag war ich Alf, den Engländer in seinem Dorf „Kasawo“ besuchen. Er wohnt bei der Community School, in dem Guesthouse. Als ich mit dem Boda Boda dort ankam, war erstmal keine Menschenseele zu sehen. Doch dann kamen zwei Frauen lachend zu mir gelaufen, die eine war überglücklich und hielt ständig meine Hand und umarmte mich wieder und wieder. Später erfuhr ich von Alf, dass sie Henriete heißt und schon von Anfang an, an dem Schulprojekt beteiligt war. Sie hat vier Kinder, einen Mann, der sich andere Frauen gesucht hat und nie da ist und hatte nie einen Job. Sie haben wohl davon gelebt, ab und zu mal Bananen zu verkaufen. Jetzt hat Alf ihr eine Waschmaschine gekauft und pro Wäsche bekommt sie 1000 UGX (0,30 Cent).

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERA

Die Schule und das Grundstück sehen schon echt gut dort aus. Bevor Alf vor einem Jahr dorthin kam, wurde dort geklaut und die Schule war dabei, zugrunde zu gehen. Jetzt hat sie einen Garten mit Bananenbäumen und Ananasbete, eine Ziege, Schweine und Hühner. Alf und Chris (19 Jahre, lebt auch in dem Guesthouse und ist im wahrsten Sinne des Wortes Alf’s rechte Hand) stellen Blöcke zum Gebäude bauen selbst her und verkaufen diese dann. Chris versucht sich damit seine Ausbildung und den Zugang zur Schule für seine vier Schwestern zu finanzieren.

Jedenfalls sind wir dann ins Dorf (was fast wie ein kleines Städtchen ist) gelaufen und Alf war Shirts shoppen. Weil alle uns anschauten (Alf war bereits weit bekannt, aber ich war die erste weiße Frau seit Monaten) und fragten wer ich sei, sagte Alf immer ‚my wife‘, dann lachten alle und mir war es sehr unangenehm, weil ich denke, dass viele es geglaubt haben, pfui….und dann haben Chris und ich fürs Abendessen eingekauft: Fisch mit Gemüse und Süßkartoffeln . Dann waren wir noch ein Bier im Gettho zischen ;P und sind dann zurück. Chris hat gekocht, Alf, ein weiterer Mitarbeiter und ich haben geraucht und geduldig gewartet
Morgen fängt die Schule wieder an und ich soll mal vorbeikommen, Deutsch und Volleyball Unterricht geben. Wir haben sogar schon ein Netz, fehlt nur noch ein guter Ball.
Heute morgen haben Chris und Alf Pancakes mit Ananas für mich gemacht.

Bin nach dem deluxen Frühstück zurück und habe heute ersten Kontakt mit meinen Nachbarskindern geknüpft. Sie haben unters Tor hereingeschaut um mich zu beobachtet. Ich habe sie dann reingelassen. Sie schickten einen 2 jährigen vor, der tappte rein und dann traute sich auch der Rest :))

DSC_4589

Bis Mittwoch,

eure Charlotte

Zweite Woche, zweiter Beitrag aus Uganda

Montag und Dienstag haben wir wieder gearbeitet. Das 50 Meter tiefe Loch von der Toilette ist fertig und der Boden auch. Isaac war total glücklich über den Fortschritt und fragte mich, wie denn meine Stadt heißt uund ob die Leute alle aus dieser Stadt kommen, die gespendet haben. Er möchte jetzt irgendwo an der Außenwand der Toilette ‚Charlotte Fulda‘ o.ä markieren 😀 Juhu eine Toilette trägt evtl. meinen Namen. Auch wenn viele die gespendet haben nicht aus Fulda kommen, weis jeder was gemeint ist. Naja wir werden sehen. Vielleicht fällt uns noch was besseres ein. Hätte auch nichts dagegen wenn die Toiletten einfach ‚Toiletten‘ heißen. Muss ja nicht jeder an Fulda und mich denken wenn er… hihi

DSC_4386 DSC_4388 DSC_4394 DSC_4395
Diese Woche, hoffentlich morgen oder gerade jetzt, kommt der erste Teil der Spendengelder auf das Konto von ‚Beacon of Hope Uganda‘ an. Warum erst jetzt? Gute Frage.. ich habe Probleme mit meinen Bankkarten, Visa als auch Mastercard von VR Bank werden nicht anerkannt, obwohl sie es mir garantiert haben. Daher überweise ich das Geld jetzt auf das Bankkonto der Hilfsorganisation. Ist ja egal über welchen Weg es ankommt. Alle Wege führen zum Ziel 😉
Apropo es sind auch noch mehr Spenden angekommen. Wir sind jetzt bei 2300 und noch was Euro. Das sind ca. 7824.640 UGX. Isaac hat sich total gefreut, als ich ihm das gestern berichtet habe und sich nochmals bedankt. Also vielen, vielen Dank.. weiter so! ;)) Es ist niemals genug.. 😛 Wir wollen ja schließlich die Dächer fertig gebaut bekommen, einen Garten anbauen, ein Paar Hühnchen und Schweinchen haben, damit das Hope Center eine Zukunft hat und es sich zum größten Teil von eigenen Produkten ernähren kann und unabhängig wird.
Gestern Abend war wieder ‚Clubbing‘ angesagt. Scovia und ich waren eigentlcih total fertig, aber wir rafften uns auf. Ich trank brav meine zwei Bier, unterhielt mich mit eigentlich netten, aber auf dauer sehr nervenden Männern (hauptsächlich daher anstrengend und nervig, weil ich deren ‚englisch‘ nicht verstehe und es dann immer ungefähr so endet: „what, what, whaaaat????“ 😀 und die dann immer denken, ich könnte kein englisch :((
Heute wollten wir eigentlich arbeiten gehen, aber als ich um 11:00 zum Frühstück kam, lag Scovia noch im Bett. Sie hatte wohl kaum schlafen können. Ich sagte ihr, dass wir ja nicht gehen müssen, wenn es ihr nicht gut geht. Also wuschen wir heute Wäsche, was sowieso getan werden musste. Ich wollte eigentlich nicht so viel waschen und holte nur das nötigste. Scovia machte ein baffes Gesicht und fragte, warum es nur so wenig ist. Ich meinte, dass ich die Arbeitssachen ja nicht waschen muss, weil sie morgen eh wieder dreckig werden. Sie: „you want to go dirty to work?“und grinste. Also gingen wir zurück in mein Zimmer und wuschen fast alles. Hier waschen wir mit drei Eimern. In den ersten zweien mit Seife und zwar gründlichst schrubben und im dritten Eimer mit klarem Wasser ausspülen. Scovia:“I know you have washing maschines, here is Scovia maschine“ ;).

DSC_4422 DSC_4426 DSC_4434 DSC_4437

Scovia beim kochen:

DSC_4416

Das war’s für heute, vielen Danke!

eure Charlotte

 

Zweite Woche 15.01/erster Eintrag

Donnerstag und Freitag haben wir weiter gearbeitet. Das Gras ist weg, die Böden sind in Arbeit und sehen schon nach was aus und das Loch für die Toiletten ist auch bald fertig. Es muss ca. 50 Meter tief sein.

DSC_4307 DSC_4309

Donnerstag liefen Scovia und ich wieder vom Hope Center, welches sehr abgelegen liegt und man daher kein Boda Boda bekommt, in die nächste Stadt, Kalaja. Scovia musste zum Friseur. Ich wartete draußen und wurde von den Kindern beobachtet. Es wurden immer mehr. Sie schlichen an mir vorbei und schauten mich dabei verstohlen an. Wenn sie merkten, dass ich sie sehe und sie dann anlächelte, grinsten sie glücklich und kamen ab jetzt öfter vorbei. Immer das selber Spiel. Eine kleine Gruppe von 2-3 Jährigen, ca. 20 Meter von mir entfernt schauten mich an und glucksten die ganze Zeit rum. Sie hatten sich ein paar Müllsäcke geholt, schlüpften in diese und hoppsten rum. Der mutigste rief immer wieder ‚how are you‘ und ich ‚I am fine‘. Als ich dann nicht mehr rüberrufen wollte, zeigte ich den Daumen nach oben. Das feierten sie total und hielten ihre Daumen hoch.
Mittlerweile war Scovia dran und bekam ihre Haare gewaschen. Erst wurde ihr eine weiße Paste in die Haare geschmiert. Dauerte ungefährt- ewig. Dann wurde diese ausgewaschen.. und wie das fand ich elegant. Fast wie bei uns, nur mit dem Equipment, was eben da ist. Hier gibt es kein Waschbecken mit Wasserhahn, fließendem Wasser etc., aber ein Plastikwaschbecken mit Kuhle und zwei Eimern darunter. Der eine für das dreckige Wasser und der andere für das Saubere mit dem die Haare gewaschen wird.
Ich fragte Scovia, wie oft sie das machen ließ, sie sagte zweimal im Jahr. Shampoo sei zu teuer. Sie trägt jetzt einen festen Dutt und den für die nächsten 6 Monate. Man darf aber nicht vergessen, dass die afrikanischen Frauen anderes Haar haben.. Es sieht nicht fettig aus, wie bei uns schon nach zwei Tagen des nicht Waschens.. bei manchen nach einem Tag…

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Gestern, Sa. 17.01, war ich beim ‚Source of the Nile‘. Von meinem Distrikt fährt man mit dem Taxi ca. 1,5 Stunden in die viert größte Stadt, Jinja (beliebt bei Touris). Auf der Taxifahrt wurde ich von einer Frau namens Atra, ungefähr in meinem Alter nach meinem Namen und nach meiner Handynummer gefragt. Mir viel kein Grund ein, ihr meine Nummer vor zu enthalten also gab sie ihr. Ihre bekam ich dann auch. Könnte ja mal anrufen ;)). Von Jinja nimmt man ein Boda Boda zu den ‚Source of the Nile‘. Ich habe mich direkt von einem jungen Typen bequatschen lassen und habe eine 30 minütige Bootstour gemacht. Nicht besonders spannend aber ganz schön! Außerdem habe ich einen guten Deal rausgehauen…

DSC_4333

DSC_4350

Danach bin ich spazieren gegangen und habe mich auf eine Wiese gelegt. Kurz darauf kam ein Mädchen, Babirye Martha 19 Jahre, und setzte sich zu mir und zeigte mir prombt alle Bilder auf ihrer Kamera. Sie spielt Golf, ist wohl sehr gut und hat eine Gruppe von Kindern, welche sie kostenlos trainiert. Sie studiert in Jinja. Sie wollte dann auch meine Handynummer, gab mir auch ihre und lud mich ein, nächste Woche mit ihr was zu unternehmen, was nicht viel Geld kostet :)) Juhuu…
Später wollte ich dann in die Stadt und was essen. Dann rief eine Gruppe von Jungs hinter mir her, ich sagt hallo, ging aber weiter. Einer holte mich dann ein und wollte mir Armbänder verkaufen, ich habe gesagt, dass ich kein Geld habe. Haben uns kurz unterhalten und dann hatte ich einen weiteren Kontakt in meinem Handy.. hoho. So ich lief ca. 50 Meter weiter und an einem ‚Restaurant‘ vorbei und wurde dann von zwei Männern eingeladen, mit ihnen zu essen. Ich erst äh ne, aber dann ja klar, warum nicht… Es gab Bohnen und Reis. Wir unterhielten uns ganz gut. Der eine arbeitet hier. Danach machte ich mich wirklich los. In Jinja angekommen lief ich die Main Street entlang. Hier gibt es viele kleine Läden mit Kunst und verschiedenen selbs gemachten Dingen und dicke Engländer…Missionare oder Freiwillige- wie ich, nur in einer Gruppe unterwegs und nicht wie ich alone (aber bin ja nie lange alleine ;)).
Ich fand sogar einen guten Bookshop (war letzte Woche in einem in Kampala, da gab es nur Bibeln..). Ich suche nach englisch Büchern für Kinder um zu lernen, da ich ja wahrscheinlich ab Februar unterrichten werde. Muss mich bisschen vorbereiten… Wenn das jemand liest, der Ideen hat und mir helfen kann, ich würde mich freuen!
Dann setzte ich mich in ein Cafe und trank einen Cappuccino. Hätte nie gedacht, dass ich hier einen guten Cappuccino finden werde. Aber wie bereits erwähnt, Jinja ist ein kleines, feines Touristädtchen. In dem Cafe waren auch alle anderen Weißen, denke größtenteils aus Amerika und England. Dann machte ich mich auf den Heimweg.
Zuhause angekommen, hatten wir besuch von Alf, ein Freund von Isaac aus England. Alf hatte vor 18 Monaten einen schweren Arbeitsunfall in England und verlor dabei seinen Unterarm. Er hat da jetzt einen Haken dran.. Auf Empfehlung seines Arztes in die Sonne zu gehen (die Kälte in England bereitete zu krasse Schmerzen), entschied er sich letztes Jahr hierher zu kommen. Er arbeitet mit einer anderen Organisation auch hier in der Gegend. Er hat eine Schule in einem Dorf wieder aufgebaut (Garten, Waschmaschine, Gebäude etc.) und arbeitet dort jetzt immer noch. Nächsten Samstag soll ich mal in das Dorf kommen und mir die Schule anschauen.
Noch ganz kurz zu Uganda: die Felder und Wiesen sind grün hier, es ist aber sehr trocken. Es sind so 25-30 Grad, es weht aber immer ein frisches Lüftchen und nachts kühlt es ab. Sehr angenehm . Die Straßen sind rot-braun, sehr holprig, nichts für feine Autos. Die Städte sind bunt, laut und staubig. An den Straßen wird Streetfood angeboten: gegrilltes Hähnchen am Spieß, getrocknete Bananen, verschiedenes Gebäck z.B Samosas u.v.m. Wie ihr bestimmt wisst, ist es ein sehr armes Land. Die Distrikts sind wie Slums. Wenn die Regenzeit kommt (ende März), verlieren viele ihre ‚Häuser‘ und die Straßen können auch ganz verschwinden. Die Kinder hier in meinem Distrikt haben keine Spielsachen, aber sie sind nicht unglücklich, sehr kreativ ;))
Wenn man unterwegs ist, und nicht von alleine freundlich angeschaut wird, braucht man einem nur kurz in die Augen zu schauen und zu lächeln und du bekommst ein Lachen zurück. Wenn ich daran denke wie wenig Freundlichkeit und wie viel Misstrauen viele Deutsche immer noch Ausländern, bzw. Farbigen entgegenbringen, schäme ich mich einfach nur. Obwohl ich in deren Augen reich und hübsch bin, ist die Mehrheit freundlich zu mir. Ich könnte auch gut verstehen, wenn es umgekehrt wäre.. Bin aber froh, dass es nicht so ist.. Sonst würde ich mich hier wirklich alleine fühlen.
Gerade habe ich Abel 20 Jahre, er kümmert sich um den Haushalt, einen Emailaccount und Facebook eingerichtet. Er war voll begeistert und wollte eine alte Freundin finden. Leider erfolglos. Jetzt habe ich gerade meine geile Bose Box rausgeholt mit meinem Ipod und Musik angemacht. Abel hat nachgegfragt wie das funktioniert und ich meinte über Bluthooth. Er probierte es gleich aus. Nahm den Ipod, lief rum und wechselte alle drei Sekunden das Lied und war erstaunt.

Mukono Distrikt:

DSC_4366 DSC_4369 DSC_4370 DSC_4371 DSC_4374 DSC_4377 DSC_4378

Und meine Straße, mein Zuhause:

DSC_4375 DSC_4376 DSC_4380

Morgen muss ich früh aufstehen, weil wir die Gebäude weiter Bauen und ich den ersten Stein setzen soll 😀 Na guuut..

Schönen Abend,
eure Charlotte